Gamification: Die Lust am Spiel im beruflichen Kontext. Auch für Steuerberater geeignet.

Autorin: Marion Ketteler
Kategorie: Kanzleiführung
Lesedauer: 5 Minuten

Der September bot eine Fülle von Veranstaltungen. Ich habe mich für 3 sehr unterschiedliche Formate und Inhalte entschieden und dennoch Gemeinsamkeiten feststellen können.

Mein Eindruck der Messe Zukunft Personal ist, dass es eigentlich zwei wichtige Themen im Bereich Personal gibt:

Personalgewinnung und Qualifikation bzw. Weiterbildung der Mitarbeiter.
Das Thema Personalgewinnung wird auf jeden Fall digitaler.
Mit allen Höhen und Tiefen.
Sicherlich kann man von Fortschritt sprechen, wenn Bewerbungsverfahren zunehmend automatisiert ablaufen.

Nützt meiner Branche nur herzlich wenig, weil es einfach wenig Bewerber gibt. Da gibt es schlauere Methoden, die passenden Mitarbeiter zu gewinnen, als sie durch einen automatisierten Prozess zu schicken.

Für andere Branchen sicherlich wichtig und zeitgemäß.

Personalgewinnung in Steuerkanzleien. Gamification im Blog von Kanzleiprofiling.
Bild von StartupStockPhotos auf Pixabay

Das eindeutig spannendere Thema war Gamification.
Der Begriff umschreibt das Erlernen von Inhalten mittels spielerischer Handlungen.

Gamification in Steuerkanzleien.
Gamification im Blog von Kanzleiprofiling.
Bild von Esi Grünhagen auf Pixabay

Ein Beispiel:
Ich möchte meine Mitarbeiter über die Neuerungen der DSGVO aufklären. Sicherlich könnte ich mir dazu einen Vortrag überlegen, eine Power Point Präsentation machen oder ein Webinar buchen.
Ich kann die Inhalte aber auch so aufbereiten, dass sich die Mitarbeiter selber mit den Inhalten beschäftigen.

So könnte ich ein Spielbrett entwickeln, auf dem die Mitarbeiter auf Felder ziehen, in denen dann bestimmte Informationen zu DSGVO geschildert oder abgefragt werden.
Oder sie müssen dann kleine Aufgaben erfüllen. Wenn das „Spiel“ vorbei ist, sind alle Inhalte vermittelt.

Womit würden Sie sich lieber beschäftigen? Mit der Power Point Präsentation oder dem Spiel?
Ich glaube, die meisten entscheiden sich für das Spiel.

Das hat vielerlei Gründe:

# Im Spiel traue ich mich Dinge auszuprobieren

Im Spiel traue ich mich Dinge auszuprobieren.
Gamification im Blog von Kanzleiprofiling.
Bild von Pezibear auf Pixabay

„Spielen ist das Lernen der Kindheit.“

Im Spielen unterliegen wir nicht dem Zwang des Erfolgs.
Wir können uns ausprobieren, üben, testen, wie weit wir schon kommen.
Oftmals gibt es auch nicht nur einen bestimmten Weg, sondern mehrere, die zum Ziel führen.
Es gibt keine starre Herangehensweise.
Das lässt uns kreativer und gelöster mit Inhalten umgehen.
In einer spielerischen Umgebung trauen wir uns, Fehler zu machen und fürchten keine sofortigen Sanktionen.

# Im Spiel suche ich mir Verbündete

Im Spiel suche ich mir Verbündete. Gamification im Blog von Kanzleiprofiling.
Bild von luvmybry auf Pixabay

Im Spiel sitzen alle Mitspieler quasi im selben Boot.
Alle stehen vor derselben Herausforderung.
In einem spielerischen Umfeld fällt es Menschen leichter, das „Schwarmwissen“ anzuzapfen, sprich mit anderen über die Lösung des Problems zu diskutieren und diese gemeinsam zu erarbeiten.
Im Büroalltag wäre das meistens undenkbar, weil jeder von sich und den anderen erwartet, die vorformulierten Inhalte sofort verstanden zu haben und in die Umsetzung zu gehen.
Das schöne Instrument des Austauschs und der echten Inhaltsdiskussion wird damit verschenkt zu Gunsten eines vermeintlich schnelleren Transfers und Umsetzbarkeit.

# Im Spiel erreiche ich alle Lerntypen

Im Spiel erreiche ich alle Lerntypen.
Gamification im Blog von Kanzleiprofiling.
Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Es nützt die tollste Power Point Präsentation oder das schöne Webinar nichts, wenn ich kein auditiver oder visueller Lerntyp bin.
Menschen lernen auf unterschiedliche Art und Weise.
Der eine liest einen Text und kann sich den Inhalt merken, der andere hört sich ein Webinar an und hat alle Fakten umsetzbar zusammen.
Was machen aber alle die kinästhetischen Lerntypen, die selber etwas anfassen und kreieren müssen, damit sie Inhalte verstehen?
Wer diese Gruppen nie anspricht, sollte sich nicht wundern, wenn sie im Lernerfolg hinter den anderen zurückliegen.


Spiele ermöglichen Lernen auf allen Kanälen:
Es wird gesprochen, zugehört und mit den Händen etwas erarbeitet.
Es wird etwas aufgeschrieben, gebaut oder zusammengelegt.
Alles Methoden, die die Mitspieler befähigt, sich auf ihre Art und Weise Wissen anzueignen.
Zudem ist es mittlerweile wissenschaftlich erwiesen, dass ich mir die Inhalte viel besser merken kann, von denen ich ein Bild in meinem Kopf habe.
Wann haben Sie sich das letzte Mal alle Folien der vergangenen Power Point Präsentation gemerkt?
Sehen Sie, das funktioniert nicht.
Baue ich aber tatsächlich mit Klötzchen, schiebe ich meine Spielfigur oder lege ich Karten zu einem Bild zusammen, habe ich einen von mir selbst geschaffenen visuellen Eindruck, den ich eng mit dem Inhalt verknüpfen kann.
So habe ich viel mehr Möglichkeiten, mich zu erinnern, weil das Bild in meinem Kopf die gesamte Situation wiederaufleben lässt.

# Im Spiel darf ich scheitern, im Lernen nicht

Im Spiel darf ich scheitern, im Lernen nicht.
Gamification im Blog von Kanzleiprofiling.
Bild von Katrin B. auf Pixabay

Das Spiel an sich suggeriert schon:
Vom Gewinn des Spiels hängt mein Leben nicht ab.
Ich habe viel weniger Angst, zu scheitern oder eine Aufgabe nicht auf Anhieb zu verstehen.
Ich darf mitspielen auch wenn ich nicht gewinne.
Manchmal gewinnt auch kein einzelner, sondern nur ein ganzes Team.
Auch das fördert die Tendenz, mich mehr einzubringen ohne zu kalkulieren.
In der Realität ist Scheitern ein Makel und wird auch als solcher verstanden.
Ich darf mir keine Blöße geben, muss alles sofort verstehen und umsetzen können.

# Im Spiel darf ich in eine andere Rolle schlüpfen

Im Spiel darf ich in eine andere Rolle schlüpfen.
Gamification im Blog von Kanzleiprofiling.
Bild von StockSnap auf Pixabay

Es ist immer wieder wunderbar zu sehen, wie anders sich Menschen verhalten, wenn die Aufgabenstellung einmal kreativer ist. Nach anfänglicher Skepsis wachsen sie förmlich über sich hinaus.
Da wird der Azubis plötzlich zum Ass im Ärmel, weil er blitzschnell kombinieren kann.
Die sonst so ruhige Kollegin entwickelt einen Feuereifer und treibt ihr Team an, weil ihr die Lösung so viel schneller eingefallen ist als dem anderen Team.
Als Spieler*in darf ich mich auch einmal von einer ganz anderen Seite als im Job zeigen.
Da ist manche Überraschung dabei, die sie sonst nie erlebt hätten.

#Im Spiel darf ich meine Fähigkeiten anders zeigen als im Job

Im Spiel darf ich meine Fähigkeiten anders zeigen als im Job.
Gamification im Blog von Kanzleiprofiling.
Bild von PublicDomainPictures auf Pixabay

Immer wieder denke ich gerne an jene Situation zurück:
Ein Team hatte von mir die Aufgabe bekommen, zum nächsten Treffen einen Gegenstand mitzubringen, der sie repräsentiert und der auf eine Kompetenz hinweist, die sie in Zukunft stärker sichtbar machen wollten:

Einer brachte seine Trainerbinde aus dem Sport mit, mit dem er seine Führungskompetenz darstellte.
Eine andere zeigte ein Bild von sich in einer Karnevalsgruppe, die alle die gleichen Kostüme trugen.
Als Sinnbild dafür, dass alle im Team gleich sind und doch darf jeder ein wenig anders sein.
Eine hatte einen Faden mitgebracht. Dass sie als die „Nähbegeisterte“ im Unternehmen bekannt war, wusste jeder.
Jetzt stand der Faden dafür, dass Sie alle Fäden in ihrem Team in der Hand hat.

Und: haben Sie jetzt Bilder im Kopf? Würden Sie sich daran erinnern?

Sind Sie jetzt überzeugt, wenn ich Ihnen einen interaktiven Workshop zu Kommunikation oder Konfliktmanagement anbieten würde und Ihnen gleichzeitig verspreche, dass Ihre Mitarbeiter viel lernen aber auch sehr viel Spaß haben werden?

(Das geht übrigens wirklich: Ich arbeite mit den Methoden des neuen Lernens und bin immer wieder selbst erstaunt, wieviel die Teilnehmer mit in ihren beruflichen Alltag übernehmen können. Rufen Sie mich einfach an, wenn Sie mehr wissen wollen. Meine Kontaktdaten finden Sie unten).

Selbst steuerliche Themen lassen sich so wunderbar vermitteln.
Leider gibt es aktuell meines Wissens nach keinen Trainer, der auf diese Art der Wissensvermittlung setzt.

Das hat auch mit dem Stigma der Branche zu tun:
I
n der Welt der Digitalisierung und der Projektarbeit wird diese Art der Wissensvermittlung schon aktiv und mit vollem Erfolg betrieben.

Der Haufe Konzern hat in seiner Zentrale ganze Räume eingerichtet, wo sich Mitarbeiter zu bestimmten Fragestellungen aus unterschiedlichen Abteilungen treffen, um mit neuen Methoden neue Konzepte zu entwickeln.

Und Lego hat nicht umsonst ein Produkt mit dem Namen „Serious Play“ entwickelt, wenn es nicht an den Erfolg dieser Methoden glauben würde.


Die anderen Themen, die der September für mich bereithielt, sind auf jeden Fall einen eigenen Blogbeitrag wert.
Freuen Sie sich auf „New Work“ und „Bar Camp“.
Was das ist, erfahren Sie in Kürze hier.


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Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit Ihrem nächsten Workshop und hoffe, dass Sie einen Trainer oder Coach auswählen, der im besten Sinne mit Ihnen spielt.

 Ihre Marion Ketteler

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PS:Wenn Sie auf der Suche nach einem richtig guten Tool für Ihre anstehenden Mitarbeitergeprächen sind, habe ich etwas für Sie:
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Ein eigener Post zu diesem tollen Kartenset folgt in Kürze.

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